Totenbeine zwischen den Zähnen

Publiziert: 29 Oktober 2020

"Oss da mort" oder "Oss da mord" – die Tessiner sind sich da nicht wirklich einig. Hauptsache, das Nussgebäck schmeckt!

In ein totes Bein zu beissen, gehört nicht wirklich zum täglichen Brot. Man muss schon ziemlich hungrig sein, um sich über Gebeine herzumachen. Diese Untat ist übrigens nicht nur unter Deutschsprachigen üblich, sondern auch unter Südländern. Die tun sich an den Oss da mort gütlich, an den Knochen der Toten. Wie kann man nur! Das haben sich einige Tessiner wohl auch gefragt und das Ritual kurzerhand umgetauft. Oss da mord, kann man nun hie und da lesen, Knochen zum Reinbeissen. Tönt etwas versöhnlicher.

Bündner Wurzeln


Die Totenbeinli stammen ursprünglich aus dem Kanton Graubünden und haben dort eine lange Tradition. In früheren Zeiten wurden sie vorwiegend beim Leichenschmaus zum Kaffee gereicht. Daher wohl auch der eher makabre Name. Heute ist das Nussgebäck das ganze Jahr über zu haben, erlebt aber vor allem an Weihnachten seine Hochzeit. Im Südkanton kommt es – wie auch das ganz ähnliche Pane dei morti – vorzugsweise an Allerheiligen und Allerseelen auf den Tisch. Zum Gedenken an die Verstorbenen.

Nahrhaftes Totenbrot


Wer die Oss da mort oder mord selbst backen möchte, muss keinen Konditortitel haben. Aus wenigen Zutaten können die Totenbeinli gezaubert werden. So geht’s: 200 g Mehl, 200 g Zucker, 200 g geschälte, fein zerhackte Mandeln und zwei zu Schnee geschlagene Eiweiss. Alles gut mischen und aus dem Teig ovale Biskuits formen. Im auf 220 Grad vorgewärmten Backofen 12 bis 15 Minuten backen. Und fertig ist das Totenbein! Etwas komplizierter herzustellen, aber ebenso fein, ist das Pan dei morti. Die norditalienische Spezialität enthält Marroni, Kakao, Zimt, Muskatnuss, Pinienkerne, Mehl, Sultaninen, Honig, gemahlene Mandeln, Zitronenschale, Amaretti, getrocknete Feigen, kandierte Früchte und eventuell Eiweiss.

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