Brotkuchen – aus alt mach neu

Publiziert: 22 September 2019

Für die Torta di pane braucht es vor allem eins: Brot. Altes Brot. Wer sich ein solches Stück Kuchen genehmigt, beisst in feinste Tessiner Geschichte.

Dass sich die Torta di pane – der Brotkuchen – in die Neuzeit retten konnte, kommt einem Wunder gleich. Denn, Hand aufs Herz, bei all dem äusserst raffinierten Gebäck, das einem Tag für Tag aus gläsernen Patisserievitrinen entgegenlacht, fragt man sich schon, ob das Auftischen eines Kuchens aus altem Brot tatsächlich erstrebenswert sei. Die Antwort fällt klar und deutlich aus: Doch. Wieso? Weil Nahrungsmittel nicht verschwendet werden sollten.

Hartes Brot ist nicht hart usw.


Das ist einleuchtend. Einleuchtend ist auch die Tatsache, dass in einer von Überfluss geprägten Welt Brot übrigbleibt, weil es ausschliesslich ofenfrisch verzehrt wird und keinen Tag darüber hinaus. Aber früher, als bittere Not herrschte, warum blieb da überhaupt ein Krümel Brot übrig? Ganz einfach: In ländlichen Regionen wurde nur etwa alle zwei Wochen in grossen Mengen gebacken. Was mit der Zeit also unbeissbar wurde, konnte anderweitig verwendet werden, beispielsweise für Brotsuppe oder eben Brotkuchen.

Tausend Rezepte für einen Kuchen


Jede Tessiner Familie hat ein eigenes Rezept für die Torta di pane. Wer keines kennt, kann sich zum Beispiel nach diesen Zutaten richten: altes Weissbrot (in Milch einweichen), Zucker, Eier, eine Tasse gehackte Mandeln, Zimt, Kakao, Muskatnuss, gehackte Zitronenschale, Vanille, Amaretti, Rosinen; Pinienkerne und Mandelsplitter zur Dekoration. Ein waschechter Tortenliebhaber wird sich mit dem Brotkuchen nicht wirklich anfreunden können, mit der Rettung noch geniessbarer Lebensmittel aber sicher.

Wetter

Freitag
14°
Samstag
15°