"Meine Mutter sah den Monte Verità als Sündentempel"

Publiziert: 27 April 2014

Mit Skepsis schaute Asconas Bevölkerung einst hinauf zu den "Balabiòtt", den alternativen Weltverbesserern auf dem Monte Verità. Heute gehört der Berg der Wahrheit zu den wichtigsten Kulturinstituten des Tessins.

Hoch thront der Monte Verità über Ascona. Der Berg der Wahrheit war zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Zufluchtsort für Aussteiger und Lebensreformer aus dem Norden. Unter südlicher Sonne strebten sie nach der Einheit von Seele, Geist und Körper. "Ein Sündentempel war der Monte Verità, ein Ort des Teufels!", sagt Franco Cavalli und lacht.

Die ersten Hippies


Der engagierte Krebsspezialist und SP-Politiker ist in Ascona aufgewachsen. "Meine Mutter war sehr gläubig." Skeptisch verfolgte sie, was auf dem Monte Verità geschah. Die einheimische Bevölkerung hielt Abstand zu den Zugezogenen, die in Reformkleidern und mit langen Haaren barfuss tanzten, sich von selbst angebautem Gemüse und Früchten ernährten und bei Eurythmie und Nacktbaden entspannten. "Dabei waren sie die ersten Hippies", freut sich Franco Cavalli. Erst später habe er, der 1942 geboren wurde, erkannt, welche Bedeutung der Monte Verità in der kulturellen Entwicklung der Region hatte und welch bekannte Persönlichkeiten dort logierten. Neben Namen wie Erich Mühsam, Hermann Hesse, Else Lasker-Schuler, Rudolf von Laban, Hugo Ball, Hans Arp, Hans Richter, Marianne von Werefkin oder Alexej von Jawlensky spricht Cavalli vor allem vom Anarchisten Bakunin und von Lenin, der dem Hügel ebenfalls einen Besuch abgestattet haben soll.

Eine besondere Atmosphäre


Auch bei Besuchen mit Gästen aus dem In- und Ausland sei ihm immer wieder die einzigartige Atmosphäre auf dem Monte Verità aufgefallen. "Eine mystische Gegend", sagt Cavalli, "von Geheimnissen umwoben." Am Ende des 2. Weltkriegs haben sich über Ascona die in Italien stationierten alliierten und deutschen Oberkommandos getroffen. "Vielleicht ist Hitlers Schatz tatsächlich dort versteckt." Der Monte Verità sei der beste Ort, um Geschichte aber auch die Natur zu entdecken, ergänzt Cavalli. Der Park rund um das Bauhaus-Hotel und die ursprünglichen Holzgebäude misst 75'000 Quadratmeter. In diesem sind sowohl Zeugnisse aus den Anfängen der balabiòtt, der Nackttanzenden, zu bewundern als auch ein zum Theater umgebautes Schwimmbad oder die Tee-Plantage mit dazugehörendem Teehaus.

Bewegte Geschichte


Eine kleinere Ausstellung in der Casa Selma illustriert anschaulich die bewegte Geschichte des Monte Verità. Das Museum in der Casa Anatta und der Elisarion-Pavillon sind zur Zeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Die von Harald Szeemann gestaltete Ausstellung "Le mammelle della verità" wird neu aufbereitet.
Nach dem Auszug der Lebensreformer nach Brasilien hatte 1926 Baron Eduard von der Heydt den Monte Verità übernommen und ein Jahr später von Emil Fahrenkamp das Hotel im Bauhaus-Stil erbauen lassen. Nach dem Tode von der Heydts ging das Anwesen an den Kanton Tessin über. Der Monte Verità geniesst heute hohes Ansehen weit über die Kantonsgrenzen hinaus als Veranstaltungsort von Kulturevents und als Konferenz-Plattform der ETH Zürich. Alljährlich finden dort 20 bis 25 internationale Konferenzen zu den unterschiedlichsten Themen der wissenschaftlichen Forschung statt.

Info

Fondazione Monte Verità
Via Collina 84
6612 Ascona
+41 91 785 40 40
info@monteverita.org
www.monteverita.org
www.ascona-locarno.com
www.ticino.ch

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