Ein Dorf mit Charakter

Publiziert: 11 Mai 2014

Die Bewohner von Indemini in den Bergen des Gambarogno hatten noch nie ein leichtes Leben, wohl aber den starken Willen, ihr einmaliges Heimatdorf immer wieder neu zu beleben.

Indemini liegt dem Himmel ganz nah: rund 930 Meter über dem Meeresspiegel, der Sonne zugewandt, im Norden durch die Berge des Gambarogno vor kalten Winden geschützt. Indemini liegt der Grenze ganz nah: Das Veddasca-Tal, in dem es sich an die Hänge klammert, öffnet sich gen Süden, die Nachbargemeinden sind italienisch. Vom pulsierenden Leben am Lago Maggiore liegt Indemini allerdings weit, weit entfernt. Von Vira am Ufer führt zwar eine Strasse hinauf, doch sie ist eine Herausforderung: Auf dem Weg ins Höhenglück sind 37 Haarnadel- und 254 normale Kurven zu überwinden.

Refugium in einer intakten Bergwelt


Dennoch lebt der abgelegene Ort weitgehend vom Tourismus. Während der Sommermonate verdreifacht sich die Einwohnerzahl, denn viele der romantischen alten Häuser dienen als Feriendomizile, eingebettet in eine ungewöhnlich intakte, wilde Natur, Refugien weitab vom Grau der städtischen Strassenschluchten und der Wolken darüber. In der warmen Jahreszeit verwandelt sich Indemini in eine Gemeinde mit einem der höchsten Anteile an deutschsprachigen Bewohnern im Kanton: Fast die Hälfte kommuniziert dann auf Deutsch, mehr als im Walserdorf Bosco Gurin, dort ist es rund ein Drittel.

Jedes Haus ein Unikat


Der Tourismus ist gleichermassen Segen und Fluch. So müssen sich die rund 50 Einheimischen die Frage stellen, ob und wie sie ihre lokale Identität und alten Traditionen am Leben erhalten können. Ohne die Urlauber wären sie jedoch ihrer Existenzgrundlage beraubt, denn ausser der kargen Berglandwirtschaft bietet Indemini kaum Einkommensquellen. Der einmalige Ort wäre zum Untergang verdammt. Die malerischen Bruchsteinhäuser mit ihren Plattendächern und Holzlauben – jedes einzelne ein Unikat – würden zerfallen, in die leeren Gassen nur noch der Wind Bewegung bringen.

Dorf am Abgrund


Vor diesem Schicksal stand der Weiler aus dem 13. Jahrhundert schon mehrfach. In seiner Blütezeit um 1844 fühlten sich dort fast 450 Menschen zu Hause. In der Hoffnung auf bessere Einkommenschancen, wanderte in den 1980-ern ein Grossteil ab. Die Schule wurde geschlossen. Es stand schlecht um Indemini.

Neues Leben in alten Mauern


Den Zurückgebliebenen gelang es jedoch, ihren sterbenden Heimatort als kulturelles und landschaftliches Kleinod bekannt zu machen. Gegen Ende der 90-er setzte eine Neubesiedelung ein. Heute gilt er als echte Sehenswürdigkeit, belebt durch ein Künstlerzentrum, ein Dorfmuseum und ein Hostal, wird gern als Ausgangspunkt für Wanderungen durch die spektakuläre Naturlandschaft des Gambarogno genutzt. Indemini ist jedoch auch ein unverbautes Relikt jenes alten Tessin, von dem die Menschen so gern träumen, das aber vor allem in den Ballungszentren an den Seen Tag für Tag, Stück für Stück und für immer normkubischer Allerweltsarchitektur zum Opfer fällt. Indemini aber lebt – auch im Charakter seines Ortsbilds.

Info

Gambarogno Turismo - Indemini
Via Cantonale
6571 Vira-Gambarogno
+41 91 795 18 66
info@gambarognoturismo.ch
www.indemini.ch
www.ascona-locarno.com
www.ticino.ch

Wo

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