In und um die Hungertürme Camorinos

Publiziert: 22 September 2013

Zwei der fünf eindrücklichen Zeitzeugen sind für kurze Zeit wegen einer Ausstellung geöffnet. Die anderen lassen sich von aussen bewundern – auf einer Wanderung durch Weinberge und Wälder.

"Was ist das?", fragt sich so mancher Autofahrer oder Bahnreisender beim Anblick der Gruppe kleiner runder Türme, die oberhalb von Camorino, am Eingang zum Morobbiatal, stehen. Des Rätsels Lösung: die "Fortini della fame", Hungerfestungen oder auch Hungertürme genannt. Es sind Zeitzeugen, die eng mit der bewegten Geschichte des 19. Jahrhunderts verknüpft sind. Die zylindrischen Bauten sollen Teil der Verteidigungslinie Dafour gewesen sein, die ab 1853 zwischen Sementina, Monte Carasso, Giubiasco und Camorino errichtet wurde, um die Alpenpässe gegen mögliche Angriffe aus dem Süden zu verteidigen. Fünf Türme gibt es heute noch. Bewundern lassen sie sich von aussen. Aber nicht nur. Auf Anfrage bei der Vereinigung Fortini della Fame werden geführte Besichtigungen durchgeführt. Und von Zeit zu Zeit finden in zwei restaurierten Türmen – die beiden tragen die Namen Ai Scarsitt und Ai Munt – auch kulturelle Anlässe statt. 


Von der Tradition zum zeitgenössischen Horizont


So wie in diesen Wochen, wie seit Mitte September. Als die Ausstellung "Dalla tradizione all’orizzonte contemporaneo" (Von der Tradition zum zeitgenössischen Horizont) eingeweiht wurde. Bis zum 6. Oktober präsentiert sie Werke von vier Bildhauern, die im 20. Jahrhundert im Tessin lebten und wirkten. Und zugleich über die Grenzen der Schweiz hinausblickten und sich zu Studienaufenthalten, Reisen, Begegnungen mit anderen Künstlern in verschiedene Länder Europas aufmachten: von Max Uehlinger, der durch den Militärdienst seine Liebe zum Südkanton entdeckte, des Blenieser Künstlers Titta Ratti, Giovanni Genucchi, ebenfalls aus dem Bleniotal, und Remo Rossi, dem die städtische Pinakothek Casa Rusca in Locarno im vergangenen Jahr eine umfangreiche Ausstellung widmete.

Zwei Stunden, fünf Türme, unzählige Aussichten


Die fünf Türme – neben den bereits erwähnten Ai Scarsitt und Ai Munt sind es Ala Pélera, Al Sass del Camosc und Al Pian di Bur – sind durch einen Lehrpfad verbunden, den die Vereinigung Fortini della fame konzipiert und eingerichtet hat. Die Wanderung führt durch Weinberge und Wald oberhalb von Camorino und kann normalerweise das ganze Jahr gemacht werden. In rund zwei Stunden lässt sich der ausgeschilderte Weg bewältigen, der in der Nähe der Banca Raiffeisen im Ort beginnt. Ein Stück geht es den Hügel hinauf, und schon ist man beim ersten Turm, Ai Scarsitt. Ai Munt, der andere Ort der aktuellen Ausstellung, ist ebenfalls nicht weit. Beide verfügen noch über das charakteristische runde, spitze Dach. Dem dritten Turm, durch ein Feuer beschädigt, fehlt das Dach. Aber von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Ebene. Überhaupt sollte man mehr als zwei Stunden einplanen – der (Foto-)Pausen wegen. Vom vierten Turm stehen nur noch die Mauern, und der fünfte, der einst als Lager diente, ist zwar überdacht, aber in keinem guten Zustand. Doch die Aussicht ist von hier oben umso besser. Durch den Wald geht es nun wieder hinunter; der interessante Weg endet bei der Brücke über den Fluss Morobbia.

Info

Fortini della fame
6528 Camorino
+41 91 857 47 46
fortini.camorino@ticino.com
www.fortini-camorino.com
www.bellinzonese-altoticino.ch
www.ticino.ch

Wann

Ausstellung in den Türmen "ai Scarsitt" und "ai Munt": bis zum 6. Oktober, Sa/So 14.00 bis 17.00 Uhr

Wo

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