Das Tessin im Zeichen des Carnevale

Publiziert: 31 Januar 2016

Alles steht Kopf. Unten ist oben, der Himmel auf Erden. Karnevalszeit ist auch im Tessin Narrenzeit. Und sie dauert sogar länger als anderswo. Dank den unterschiedlichen Kalendern.

Als Fasnacht bezeichnet man die Bräuche, mit denen die Zeit vor der sechswöchigen Fastenzeit gefeiert wird. Ungezügelt gefeiert wird. Ein Widerspruch, zweifelsohne. Denn während man in der Fastenzeit in sich geht, ist man während des Karnevals ganz und gar ausser sich. Man ist sozusagen das, was man sonst niemals sein dürfte. Hinter der Maske fallen die Hemmungen. Man fühlt sich närrisch, frech und frei. Gibt sich bedenkenlos all dem hin, was in christlichen Kreisen sonst verpönt ist.

Römisch oder ambrosianisch?


Doch nicht überall wird gleich gefeiert. Da gibt es nicht nur kleine und feine, sondern sogar ganz gewaltige Unterschiede. Zum Beispiel, was die Zeitplanung betrifft. Die Fasnacht nach römischem Ritus endet am Aschermittwoch, genau an jenem Tag, an dem diejenige nach ambrosianischer Tradition beginnt. Die Nordtessiner Täler Leventina und Blenio, sowie die Gemeinden Biasca, Tesserete und Brissago haben sich der ambrosianischen Fasnacht verschrieben. Der Legende nach sollen sich diese Orte dem römischen Ritus widersetzt haben, um die vorösterliche, vierzigtägige Fastenzeit zu verkürzen. Früher sorgte die Teilung des Tessins in verschiedene Karnevalsregionen vor allem bei der Kurie für Zündstoff. Viele Pfarrer verboten ihrer Gemeinde, anderswo die Narrenfreiheit zu geniessen. Heute indes ist die ambrosianische Fasnacht eine willkommene Zugabe für die passioniertesten Karnevalsliebhaber. 


Fasnacht geht durch den Magen


Und sie ist mehr als Musik und Masken. Sie geht wie die Liebe durch den Magen. Da wären einmal die chiacchere zu nennen, das süsse "Gerede" in Gebäckform, eine italienische Variante der Fastnachtsküchlein. Es sind mit Puderzucker bestäubte Teigstreifen, die während des Faschings genossen werden. Der im Tessin zu jeder Tages- und Jahreszeit aufgetischte Risotto darf natürlich auch nicht fehlen. In Lugano wird er am 8. Februar ab 11.30 Uhr auf der Piazza della Riforma und an Asconas Lungolago tags darauf im grossen Kupferkessel gekocht und genüsslich verspeist. Locarno hat sogar sein eigenes Fasnachtsgebräu. Es handelt sich um den sogenannten capiler, der aus Kaffee, Frauenhaarfarn und Zitronenschale besteht.

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