Stille Nacht, heilige Nacht – das Fest der Liebe ohne Brimborium

Publiziert: 30 November 2014

Still ist die Heilige Zeit in unseren Breitengraden selten, doch wer Besinnlichkeit sucht, findet sie auch heute noch in abgelegenen Dörfern und hinter dicken Kirchenmauern. Und steht man staunend vor einer Krippe, ist Weihnachten da.

Der aktionsüberladendste Monat des Jahres ist wohl der Dezember. Was da los ist, geht unter keine Kuh- oder, der Jahreszeit entsprechend, Rentierhaut. Dabei wäre doch Besinnlichkeit angesagt. Genau so wie die Natur ruht, sollte auch der Mensch still werden. Sollte sich zurückziehen, in sich gehen. Das menschliche Wesen passt sich aber schon längst nicht mehr den natürlichen Rhythmen an. Dann, wenn es in die erholsame Dunkelheit sinken sollte, sucht es wie die Motte das Licht und macht Party.

Krippen in allen Farben und Formen


Das muss aber nicht sein. Es ist durchaus möglich, das ganze Weihnachts-Einkaufsrausch-Fressorgien-Brimborium beiseite zu lassen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auf die althergebrachten Traditionen. Für den italienischsprachigen Raum bedeutet althergebracht in der Weihnachtszeit unter anderem das Erstellen von Krippen. Mit viel Liebe und Sorgfalt werden hölzerne Marias und Josephs geschnitzt, Jesuskinder geknetet oder Schafe gefilzt. Aus allen nur erdenklichen Materialien entsteht der Stall zu Bethlehem, wird die Geburt des Heilands bildlich nachempfunden. Einige Kunstwerke bleiben für immer den bewundernden Blicken der eigenen Familienangehörigen vorenthalten, während andere öffentlich ausgestellt werden. Wie in Vira Gambarogno etwa, wo der lauschige Dorfkern sich alle Jahre in ein märchenhaftes Krippendorf verwandelt. Eine der schönsten Krippen des Tessins befindet sich in Mendrisio in der fast siebeneinhalb Jahrhunderte alten Chiesa di San Sisinio. Und auch in der Wallfahrtskirche Madonna del Sasso auf dem Heiligen Hügel oberhalb Locarnos kann man den ganzen Dezember über in die Weihnachtsgeschichte eintauchen.

Drei Könige und eine Hexe


Nach dem bunt-knallenden Silvesterrummel und dem oft katrigen Jahresanfang tauchen schon bald die Drei Könige am Horizont auf. Mit Gold, Weihrauch und Myrrhe kommen sie daher, immer dem hellen Stern folgend, der sie zum Erlöser führt. Will man ganz genau sein, sind Caspar, Melchior und Balthasar aber gar keine Könige, sondern Weise, Magier oder Sterndeuter. In ihren Geschenken verbirgt sich uraltes Heilwissen, das im Orient, Okzident, in Arabien, China und Indien sowie im antiken Griechenland Anwendung fand. Am gleichen Tag, am 6. Januar also, kommt im Tessin auch die Befana zu Besuch. Frauenpower sozusagen. Wofür es nach christlichem Glauben drei Männer braucht, schafft die freche Hexe auch allein: Gross und Klein zu verzaubern und zu beschenken. Der Name Befana stammt von Epiphanie ab, dem Kirchenfest der Heiligen Drei Könige. Der Sage nach soll die Zauberin von den Hirten die Frohe Botschaft gehört haben. Der Stern von Bethlehem sollte sie zur Krippe führen. Da sie jedoch zu spät aufbrach, verpasste sie ihn. Sie scheint aus ihrem Fehler gelernt zu haben. Pünktlich zum Dreikönigstag setzt sich die Befana alljährlich auf ihren Besen und sorgt im Südkanton für angenehme Unruhe.

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