Kulturaustausch am Monte Verità

Publiziert: 27 Mai 2012

Verschiedene Namen zeugen vom Einfluss und der Bereicherung der südschweizerischen durch die deutschsprachige Kultur. Hermann Hesse, zum Beispiel, oder die Naturmenschen auf dem Monte Verità.

Im Tessin der Wende zum 20. Jahrhundert begann um Ascona eine kulturelle Epoche, die als einzigartig bezeichnet werden darf. Ihr bekanntester Protagonist war Hermann Hesse, Träger des Literatur-Nobelpreises. Er war aber nur einer von Hunderten von Kulturschaffenden, die sich im Lauf der Zeit in und um Ascona aufhielten. Im April 1907 kam Hesse für vier Wochen zu einer Alkoholentziehungskur auf den Monte Verità, wo er in einer Lufthütte lebte. Anschliessend zog es ihn immer wieder ins Tessin. 1919 nahm er in Montagnola Wohnsitz. 2012 jährt sich zum 50. Mal Hesses Tod. Er starb 1962 kurz nachdem ihn die Gemeinde Montagnola auf der Collina d’oro zu ihrem Ehrenbürger gemacht hatte. Seither ist dort eine richtige Hessemanie entstanden und Saison für Saison kommen mehr Besucher zur Casa Camuzzi, zum Hermann Hesse-Museum in der Torre Camuzzi oder zu Hesses Grab. Sie besuchen die zahlreichen Veranstaltungen der Fondazione Hermann Hesse Montagnola www. hessemontagnola.ch oder wandern auf dem Hermann Hesse-Weg, den die Gemeinde hat anlegen und beschildern lassen.

Der Monte Verità, einst hiess er Monte Monescia, war ab 1900 wie ein Magnet für alle Intellektuellen und Andersdenkenden im bürgerlich-kaiserlichen Europa. Naturmenschen siedelten sich hier an, Nackte und Vegetarier, und sogleich trafen Schaulustige aus allen Himmelrichtungen ein, die gerne bereit waren, ein Entgelt zu entrichten, um einen Blick auf das schamlose Getue werfen zu können. Der Monte Verità blieb über Jahrzehnte weiterhin magnetisch.

Mit dem Elisarion liess der estnische Maler, Denker und Dichter Elisàr von Kupffer 1927 in Minusio den einzigen Tempelbau seiner Zeit neben dem Goetheanum in Arlesheim erbauen – eine Sehenswürdigkeit. Sein Gesamtwerk schenkte Kupffer der Gemeinde Minusio, diese jedoch zierte sich ob seiner homoerotischen Ausrichtung, und das Elisarion wäre wohl zerfallen, hätte sich nicht Harald Szeemann für seine Erhaltung stark gemacht.

Auch der Schriftsteller Max Frisch, der in Berzona lebte, hat sich mit seinem Buch Der Mensch erscheint im Holozän in bleibende Erinnerung geschrieben, zwar nicht am Monte Verità, sondern an einem Passübergang vom Onsernone- ins Maggiatal. Seinem Protagonisten, Herrn Geiser, ein 73-jähriger Rentner aus Basel, wurde der Sentiero del signor Geiser in Loco gewidmet, eine literarische Bergwanderung in zwei Varianten.

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