Pane dei Morti – mehr als nur Brot für die Toten

Publiziert: 19 Oktober 2014

Im Spätherbst wird in den Bäckereien des Tessins eine besondere Spezialität angeboten: il Pane dei Morti, das Totenbrot. Ein irdischer Genuss. Ob es auch den Verstorbenen schmeckt, ist ungewiss.

Allerheiligen und Allerseelen - Anfang November gedenkt die katholische Kirche den Verstorbenen. Im Tessin wird bei dieser Gelegenheit ein ganz besonderes Gebäck angeboten: il Pane dei Morti, das Totenbrot. Eine Spezialität, die einen weiten Weg bis in die Südschweiz gemacht hat. Denn ursprünglich kommt das Totenbrot nämlich aus Mexiko, wo die Toten seit jeher auf ganz besondere Weise geehrt und genährt werden. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges gelangte das Rezept dann nach Norditalien, in die Lombardei, und von dort aus zu uns ins Tessin.

Etwas Süsses für die tristen Tage


Das gehaltvolle “Brot” wurde ursprünglich auf der Basis von zerbrochenem Gebäck, das nicht mehr verkauft werden konnte, hergestellt. Heute werden Weizenmehl, Eier und Zucker als Grundlage verwendet. Hinzugefügt werden kandierte Früchte, Rosinen, getrocknete Feigen und Pinienkerne, Honig und manchmal sogar verkleinerte Marrons glacés. Kakaopulver gibt ihm seine dunkle Farbe. Den typischen Geschmack verleihen ihm Zimt und Muskatnuss. Geformt wird der Teig in handlange, etwa zwei Zentimeter dicke Rollen, die etwas flachgedrückt werden und an den Enden spitz zulaufen. Zu Tee oder Kaffee oder mit einem Glas Dessertwein genossen, ist dieses Gebäck eine sättigende und wohlschmeckende Zwischenmahlzeit.

Entstanden aus alten Bräuchen


Den Verstorbenen bei ihrer Bestattung Speisen zu hinterlassen, damit sie auf dem Weg ins Jenseits keinen Hunger leiden müssen, oder aber den Ahnen Essen zu weihen, damit sie uns, den Hiesigen wohlgesonnen sind, solche Bräuche gab und gibt es in fast allen Kulturen auf der ganzen Welt. Im Tessin, so ist es überliefert, wurde noch im letzten Jahrhundert Brot auf den Beerdigungen verteilt oder sogar den Verstorbenen auf den Sarg gelegt. Das Pane dei Morti, das wir heute kennen und bereits im Oktober in den Bäckereien kaufen können, gründet sicher auf solch alten Bräuchen. Nur ist es heute zu einer Spezialität für die Lebenden geworden. Diese wissen das ebenso zu schätzen.

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