Wenig Zutaten, viel Geschmack

Publiziert: 21 Juli 2013

Die Zutaten sind wenig spektakulär, das Ergebnis umso mehr. Amaretti, die zartbitteren Mandelplätzchen, gehören zum Tessin wie die Sonne und der Merlot.

Es gibt sie in allerlei Variationen. Ihr leicht bitteres Aroma ist nicht jedermanns Sache. Doch wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, der verfällt ihnen mit Haut und Haar. Aussen recht brüchig, sind die meisten Amaretti innen schaumig-weich und zergehen richtiggehend auf der Zunge. Entstanden sind sie aus einer süssen Not heraus. Am Amaretti-Anfang stand die Frage: Wohin mit dem Eiweiss? Eine Frage, die sich beim eigelblastigen Guetzlibacken immer wieder stellt. Ein erfinderischer Geist – man munkelt, es habe sich um einen gewissen Herrn Furlandoni aus dem Piemont gehandelt – kreierte daraufhin aus Eiweiss, Zucker, Mandeln und/oder Aprikosenkernen das unverwechselbare Gebäck.

Italienische Tessinerspezialität


Obwohl die zartbittere Erfindung wohl oder übel den Italienern zugestanden werden muss, so sind die Amaretti doch auch schon seit mehr als 200 Jahren fester Bestandteil der Tessiner Backkunst. Die Ricetta per gli amaretti aus dem Bleniotal datiert auf das Jahr 1800. Das etwa ein halbes Jahrhundert später von Luigi Franconi im Kochbuch Il nuovo cuoco ticinese publizierte Rezept ist dem ersten ähnlich, fügt den bitteren Mandeln aber auch süsse hinzu. Aus der ehemaligen Notlösung wurden im Laufe der Zeit raffinierte Plätzchen, die weit über die Kantonsgrenze hinaus bekannt sind.

Katzenpfoten in allerlei Variationen


Amaretti sind schon lange nicht mehr nur in der ursprünglichen Zusammensetzung zu haben. Jetzt gibt es sie unter anderem mit Milch- oder Zartbitter-Schokolade überzogen, mit Orangenaroma, mit Kirsch- oder Grappagout – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Besonders fein sind die rundlichen Kekse, wenn man sie kurz in Wein oder Kaffee badet. Ihre spezielle Form sollen sie übrigens auf ganz und gar ungewöhnliche Art bekommen haben. Der Legende nach ist eine Katze über die ofenbereiten Amaretti gelaufen. Und so gleichen sie noch heute Katzenpfötchen. Weniger pelzig, dafür umso zarter.

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