In Mendrisios Altstadt dem Leiden Christi nahe

Publiziert: 13 April 2014

Am Gründonnerstag und Karfreitag stellen die Bürger Mendrisios den Leidensweg Jesu zum Kalvarienberg und seine Grablegung in aufwändigen Passionsspielen nach. In der Altstadt herrscht dann eine eindrückliche Atmosphäre.

Einer der eindrücklichsten Bräuche des Landes lockt alljährlich am Gründonnerstag und Karfreitag Schaulustige wie Gläubige in den tiefsten Süden der Schweiz: die Osterprozessionen in Mendrisio. Sie beruhen auf einer alten Tradition. Schon im 17. Jahrhundert werden sie erwähnt. Man nimmt aber an, dass ihre Wurzeln noch weiter zurückreichen. Der Servitenorden hat diese Tradition begründet, um der "Maria dei sette dolori" (der sieben Schmerzen) zu gedenken. Daher beginnen die Umzüge jeweils im ehemaligen Konvent der Serviten bei der Kirche San Giovanni. Doch ihre Historie ist nicht der eigentliche Grund, warum die Veranstaltung weit über die Grenzen hinaus bekannt ist. Vielmehr beeindrucken der enorme Aufwand, mit dem sie ausgestaltet wird, das Kolorit sowie die eindrückliche Atmosphäre, die dann in der Altstadt herrscht.

Lichter des Glaubens im Dunkel


Das grosse Ereignis wirft schon zu Beginn der Karwoche seine Schatten voraus. Dann werden die Strassen mit rund hundert durchscheinenden Stoffschaubildern (trasparenti) geschmückt, auf denen Motive aus der Leidensgeschichte Jesu abgebildet sind. Am Gründonnerstag werden sie nach Einbruch der Dunkelheit wie überdimensionale Lampions von innen beleuchtet und verzaubern die Innenstadt mit ihrem magischen Licht. Auch die Kinder tragen an jenem Abend Laternen mit sich. Das historische Zentrum von Mendrisio ist dann ausschliesslich Fussgängern vorbehalten.

Mit Pilatus auf Augenhöhe


Höhepunkt des Donnerstagabends ist der Umzug, im Volksmund "La Funziun di Giüdee" genannt. Dabei stellen rund 600 Bürger von Mendrisio in farbenprächtigen Theaterkostümen, die 1898 bei der Mailänder Scala erworben wurden, die Leiden Christi auf seinem Weg zur Hinrichtung auf dem Berg Golgata nach: hebräisches Volk, römische Fusssoldaten und Reiter, aber auch Einzelpersonen, die das Neue Testament erwähnt. Dazu zählen Maria, die Mutter des Gekreuzigten, ausserdem Maria Magdalena oder Veronika, die das Leichentuch trägt. Eigene Rollen haben auch die mitverurteilten Räuber, der Statthalter Pontius Pilatus, König Herodes, der Hohepriester Kajaphas und Joseph von Arimathäa. Der Darsteller des Gekreuzigten wird per Los bestimmt, sein Name aufgrund einer alten Tradition bis zuletzt geheim gehalten.

Sakraler Abschluss am Karfreitag


"Entierro" heisst die Prozession am Karfreitag. Es ist das spanische Wort für "Beerdigung". Man nimmt an, dass der Begriff auf das 16. oder 17. Jahrhundert zurückgeht, als die benachbarte Lombardei unter kaiserlicher Fremdherrschaft stand. Dieser Umzug ist wahrscheinlich älter als der des Vortags. Die rund 700 Mitglieder der Bruderschaften und religiösen Vereinigungen, die ihn bestreiten, verleihen ihm ein sakral-liturgisches Gepräge, während der Gründonnerstag eher Volkscharakter hat. Den Mittelpunkt der Grablegungsprozession bilden die Barockfiguren des toten Christus und seiner schmerzensreichen Mutter, die das Jahr über den Altar der Kirche San Giovanni zieren.

Info

Osterprozessionen
Via Luigi Lavizzari 2
6850 Mendrisio
+41 91 641 30 50
info@mendrisiottoturismo.ch
www.processionimendrisio.ch
www.mendrisiottoturismo.ch
www.ticino.ch

Preis
gratis

Wann

17./18. April, bei Einbruch der Dunkelheit

Wo

Hotels

  • Resort Collina d'oro
  • Hotel Delfino

    14.0 km

    Hotel Delfino

  • Hotel Walter au Lac

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