Elefantenjagd im Centovalli

Publiziert: 26 Mai 2013

Ein trauriger Auswanderer, eine verzweifelte Mutter und ein verirrter Karthago-Krieger auf Elefantensuche. Dimitris kunterbuntes Wandertheater wird erneut aufgeführt.

Dimitris lang gehegter Traum ging letztes Jahr in Erfüllung und findet heuer seine Fortsetzung. “Grossartig”, findet es der bekannte Clown aus dem Centovalli und lacht sein berühmtes breites Lachen. Dass das Stück so erfolgreich sein würde, hätte er anfangs nicht für möglich gehalten. Und dennoch: verwunderlich ist es eigentlich gar nicht. „Denn die Geschichten des Tals der hundert Täler sind wirklich aussergewöhnlich”, schwärmt der seit nunmehr fünf Jahrzehnten im Centovalli wohnhafte Künstler. Geschichten von Schmugglern und Räubern, von Hexen und Malern. “Und natürlich von den Kaminfegerkindern.” Zusammen mit dem Schriftsteller und Freund Kurt Hutterli machte er sich also kurzerhand an die Umsetzung seiner Ideen. Entstanden ist schliesslich das Stück Centovalli – Centoricordi. Mit einer ganz speziellen Hauptdarstellerin. Einer quietschenden, pfeifenden, blauweissen, 90-jährigen Dame – der Centovallina-Bahn. Auf ihrem Rücken reist der Gast nicht nur durch das unzähmbare Tal, sondern auch durch die Zeit. Die erste Aufführung des hiesigen Sommers findet am 25. Juli statt.

Trauriges und Lustiges


In Verscio, wo das Abenteuer beginnt, wird der Mitfahrende Zeuge eines Familiendramas, wie es sich einst zugetragen haben könnte. Ein Jüngling verabschiedet sich unter Tränen von seiner Mutter und seiner Angebeteten, um in Übersee sein Glück zu versuchen. Mit wenigen Ausnahmen wurden die Rollen an Laienschauspieler vergeben, die darin ganz und gar aufgehen. In Intragna dann die nächste Szene: Eine Mutter verkauft ihren Sohn als Kaminfeger – ein weiteres trauriges Kapitel der Lokalgeschichte. Schaurig-lustig geht es hingegen in Verdasio zu und her. Da wird der Zug von Ghiridone-Hexen gestürmt. Dimitri selbst darf natürlich nicht fehlen. Er spielt den verirrten Karthago-Krieger Discobal, der im Centovalli so gar nichts verloren hätte, wäre da nicht sein verschollener Elefant Hamilcar. Ein Elefant im Centovalli? Kennt man Dimitris Lebenslauf, ist das gar nicht so abwegig. Mit seiner erfolgreichen Elefantennummer gelang ihm 1970 auf der Tournee mit dem Zirkus Knie der definitive Durchbruch als Künstler. Aus Sympathie für seinen dickhäutigen Partner sammelt er seither überall auf der Welt Elefanten, die er in seinem Museo Comico ausstellt.

Gutes Ende in Camedo


Auf der Jagd nach dem entflohenen Hamilcar zieht der bunte Tross von Schauspielern, Zuschauern und Zugpersonal also nach zwei Stunden im Grenzort Camedo ein. Mit Fahnen und Trompeten. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die ad hoc zusammengestellte Blasmusikkapelle bezaubert das Publikum mit einem reichen Repertoire an traditionellen und jazzigen Klängen. Bei Polenta, Käse und Tessiner Wein feiern dort alle gemeinsam das gute Ende der fantastischen, aus unzähligen bruchstückhaften Erinnerungsfetzen bestehenden Geschichte aus dem Tal der hundert Täler. Märchenhaft, lustig, kunterbunt, düster, laut und leise – ein Wechselbad der Gefühle. Unvergesslich. Auch dank der wildwüchsigen, zauberhaften Kulisse des Centovalli. Und einem Dimitri in Hochform, dessen Liebe zu seinem Tal sich in seinem unverkennbaren Lachen widerspiegelt.

Info

Centovalli – Centoricordi
Bahnhof
6653 Verscio
+41 91 796 25 44
info@teatrodimitri.ch
www.teatrodimitri.ch
www.ascona-locarno.com
www.ticino.ch

Preis
CHF 85.-

Wann

25./26./27. Juli 1./2./3./7./8./15./16./ 17./21./22./23. August, jeweils um 19.00 Uhr

Wo

Hotels

  • Boutique Hotel La Rocca
  • Hotel Ascovilla
  • Hotel City Locarno

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